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Brief der Schulsozialarbeiter:innen zum Auslaufen der Stunden aus dem Programm "Aufholen nach Corona"

Kurz vor den Sommerferien erhielten um die 30 Schulsozialarbeiter:innen die Nachricht, dass die Aufstockungsstunden von „Aufholen nach Corona“ nicht weiterfinanziert werden.
Dies war zwar ein zeitlich begrenztes Programm, doch in anhaltenden Zeiten der Überlastung an Schulen, ist eine Kürzung der Stunden von Schulsozialarbeit, als wichtige Ressource, nicht nachvollziehbar.
Dazu haben betroffene und sich solidarisch zeigende Schulsozialarbeiter:innen den unten stehenden Brief an Staatsrat Klieme verfasst.

Fachkräftemangel? Wir sind Fachkräfte und möchten gerne arbeiten!

Leider werden wir bis jetzt im Unklaren darüber gelassen, ob wir das nach den Sommerferien noch weiterhin können.
Im September 2021 wurde im Rahmen von „Aufholen nach Corona“ die Bitte an uns Schulsozialarbeiter:innen herangetragen, Stunden aufzustocken, um durch Corona entstandene Schwierigkeiten abzumildern und den dadurch entstandenen Herausforderungen pädagogisch zu begegnen. Diesem Aufruf sind etwa 30 Kolleg:innen gefolgt und haben sich flexibel gezeigt. Auch wenn die Corona-Pandemie derzeit in den Hintergrund getreten ist, die Folgen sind an den Schulen spürbar und zudem zeigen neue Krisen und gesellschaftliche Veränderungen ihre Auswirkungen in den Schulen!

Uns wurde von Seiten der Politik suggeriert, dass uns die über „die Coronatöpfe“ und das Folgeprogramm „Schüler:innen stärken“ zugestandenen Stunden „nicht wieder weggenommen werden“. Nun – wenige Wochen vor dem Ende des Schuljahres – ist die Weiterfinanzierung fraglich und es fehlt eine verbindliche Zusage für die Weiterführung der Stundenerhöhungen. Insgesamt geht es bei der Aufstockung um einen Stundenumfang von etwa acht Vollzeitstellen. Die daraus resultierenden Auswirkungen für die Schulsozialarbeit in Bremen sind nicht absehbar.
Die ersten Kolleg:innen sind bereits auf Jobsuche, da die entstehenden finanziellen Einbußen für sie nicht tragbar sind. Dies kann auch ein Abwandern von Fachkräften in andere Tätigkeitsbereiche oder auch nach Niedersachsen bedeuten. Diejenigen, die aufgrund der wegfallenden Stunden nicht in eine finanzielle Notlage geraten, werden versuchen, mit den wenigen verbleibenden Ressourcen weiterzuarbeiten – in dem Wissen, dass sie nun nur einem Teil der Herausforderungen begegnen können.

Dass dies in einer Zeit passiert, in der das Amt für Soziale Dienste durch Fachkräftemangel und die damit verbundene Überlastung eingeschränkter erreichbar ist und die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren Fallannahmen aufgrund fehlender Kapazitäten temporär verwehren müssen, ist fatal und für uns nicht hinnehmbar. Im Koalitionsvertrag wurde die Bedeutung der Schulsozialarbeit anerkannt und wir können dies als Fachkräfte nur noch einmal unterstreichen!
Besonders Schulsozialarbeit als niedrigschwelliges Angebot ist elementar wichtig, um Kinder und Familien zu erreichen, die dringend Unterstützung benötigen.

Werden unsere Stunden nicht verstetigt bedeutet dies im Umkehrschluss eine höhere Belastung für das gesamte an unseren Schulen arbeitende Personal: sozialemotionale Bedarfe der Schüler:innen können nicht mehr im erforderlichen Maße aufgefangen und bearbeitet werden, fachliche wie persönliche Beratungen fallen weg, wertvolle Angebote müssen eingestampft, Unterstützungen von Kindern und ihren Familien können nicht weitergeführt werden. Insgesamt müssen intensiv erarbeitete Beziehungen aufgegeben werden und wertvolle kollegiale Beratung, die maßgeblich zur Qualitätssicherung dient, entfällt. Dadurch werden Bildungschancen verschlechtert, Kinderschutz sowie Demokratieschutz bleiben auf der Strecke und dringend benötigte Hilfen werden verwehrt.
Besonders in einem Schulsystem mit knappen Ressourcen kommt der Schulsozialarbeit in ihrer beratenden, vermittelnden Position eine Schlüsselrolle zu, indem wir fachlich beraten und unterstützen, vernetzen und kreative Lösungen finden. Das möchten wir gerne weiterhin tun.
Helfen sie uns dabei, indem sie unsere Stunden verstetigen.

Die von der Kürzung betroffene Schulsozialarbeiter:innen, sowie Kolleg:innen aus der Profession